Kloster Niederaltaich: Aus der Mitte schöpfen
Erfahrungen beim meditativen Malen
Zurück zur vorherigen Seite Einatmen – ausatmen, mit geschlossenen Augen wandern die Graphitstifte ruhig im Rhythmus des Atems über das leere Blatt. So entsteht eine Grundstruktur. Acrylfarben werden gemischt, jetzt nur gelb und blau in allen Abstufungen. Zunächst mit dünner Lasur, später immer kräftiger, bekommt das Bild seine Struktur und Lebendigkeit. Völlig vertieft arbeiten, pinseln oder tupfen die acht Teilnehmer des Kurses „Schöpfen aus der Mitte“ und vergessen dabei Raum und Zeit. Zum Schluß waren es genau diese Stunden, die uns zur eigenen Mitte führten. Behutsam gibt der erfahrene Kunstpädagoge Max G. Bailly Anregungen und setzt auch selber mal den Pinsel an, um auf Akzente hinzuweisen. Max Bailly arbeitet als freischaffender Künstler in der Nähe von Nürtingen. Vorkenntnisse spielen keine Rolle, wenn zum Beispiel bei der Übung „sieben Ameisen“ der Wachsstift ganz behutsam an einem Fleck beginnt und zuletzt in wildem Tanz über das Blatt saust. Hier darf alles raus, was raus will. Es entstehen abstrakte Bilder, die uns staunen lassen. Etwas von der Kraft ist zu spüren, die in uns steckt. Kreativität, für die im Alltag oft wenig Raum ist.
Schon schlägt die Glocke der Basilika vom Kloster Niederaltaich, und ein reich gedeckter Mittagstisch erwartet uns. Während wir das abwechslungsreiche und frisch zubereitete Essen genießen, schaut Bruder Johannes vorbei. Er ist für die Betreuung der Gäste im Kloster zuständig. Im Kloster leben und arbeiten dreißig Benediktinermönche. Sechs von ihnen feiern den Gottesdienst nach der Überlieferung der byzantinisch-orthodoxen Kirche in der St. Nikolaskirche. Viermal täglich sind wir zu den jeweiligen Zeremonieen eingeladen. Neben dem Malen bleibt noch Zeit für Spaziergänge oder Radtouren entlang der Donau. Hier darf sie noch frei fließen zwischen Straubing und Vilshofen. Es gibt viel zu entdecken am Ufer. Auch das ist Erholung, führt zur Mitte, ebenso wie die lustigen Abende in der Klosterschänke. Das Zusammenwirken der ruhigen Atmosphäre im Kloster, das meditative Malen und das Erleben der intakten Natur bewirken letztlich die Stärkung der eigenen Mitte und Abstand von stressigen Alltag. Heiterkeit breitet sich aus, Sammlung und Gelassenheit. Die morgendliche Meditation bildet das Fundament. Zuletzt haben wir nicht nur viele Bilder im Gepäck, sondern auch viel gelernt über Maltechniken, Bildkomposition und Farbenlehre.
K. Bauer
Autor: SKR-Teilnehmerin vom 19.09.2007
Reisetipp:
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