"Yoga - verrügt"
Zurück zur vorherigen Seite „Verrügt“ – irgendwo hab ich dieses nette Wortspiel gelesen. Bin ich es auch? Klar. Doch ich bin noch mehr! Nach zwei SKR-Yogakursen auf der Rügen-Halbinsel Wittow (April 2005/Juni 2007) bin ich „yoga-verrügt“!
Warum? Weil es die Erholung ist, die für mich passt! Zum einen bin ich gefordert durch ein vielseitiges Programm; dann wieder hab ich Zeit und Raum zum „Seele baumeln lassen“. Der intensive Wechsel tut mir gut: Anspannung und Entspannung, Bewegung und Ruhe, Naturerlebnis draußen und Yogaübung drinnen, Alleinsein mit mir und Zusammensein mit anderen. Er bringt mich auf Trab und wieder in den Stand - in wohltuender Mischung.
Das flexible Zeitschema weiß ich zu schätzen; bietet es doch einerseits fachliche Begleitung im Kurs und auf schönen Inselausflügen – zu Fuß, per Fahrrad, Auto, Bus oder gar Schiff – und lässt andererseits viel Freiraum für eigenes Tun oder Nichtstun.
Um acht Uhr morgens - noch vor dem Frühstück, denn mit leerem Magen fallen die Übungen leichter - geht es für eine Stunde an den nahen Strand. Die Morgenübungen sind flott und intensiv, dann wieder ruhig und entspannend. Der Anblick des weit offenen Meeres und das Rauschen der anrollenden Wellen lassen mich tief atmen. Bei „steifer Brise“ übt es sich besser im Schutz der Dünen auf einem Weg am Rande des Kiefernwaldes. Mehr oder weniger kräftig durchgepustet und mit gut gelüfteten Lungen schmeckt das leckere Frühstück - in gemütlicher und zeitlich ausgedehnter Runde - doppelt gut.
Danach ist „yogafrei“ bis vier Uhr nachmittags. Es locken vielfältige Angebote: Ein Spaziergang durch den schön angelegten Park von Juliusruh zum malerischen Hafen Breege oder eine Fahrradtour entlang einer traumhaften Steilküste zum nahen Kap Arkona, auf dem ein malerischer roter Leuchtturm thront. Der freie Blick wandert über den kilometerlangen Sandstrand der Schaabe bis zum kleinen Ferienort Glowe am anderen Ende der weiten Bucht.
Bei Sonne leuchten die Farben intensiv: Die Ostsee in allen Blau- und Grüntönen, der Strand in sandigem Beige, die großen und kleinen Steine am grauen Blockstrand (für Sammler eine Fundgrube!) in allen Farbschattierungen, die sanfthügeligen Dünen in Grasfarben, dahinter der Kiefernwald in Dunkelgrün. Über allem wölbt sich ein unendlich hoher und weiter Himmel – mal hellblau und klar oder mit weißen Schönwetterwolken bis hin zu dunkel drohend mit sich türmenden Wolkengebilden, die die Kuppel schwer verhängen. Bei Dunst wirken alle Farben wie „gepudert“ – eine tolle Stimmung! Bei Regen oder Nebel sieht man eher tristgraue Landschaft und bleifarbenes Meer, was auch seinen feuchtkühlen Charme hat. Die Witterung wechselt oft schnell und macht es immer wieder spannend.
Der hohe und geräumige Yogaraum unter dem Spitzdach liegt ruhig und abseits des Hotelgetriebes. In bequemen Sportsachen sitzt die Gruppe erwartungsvoll im Lotussitz (die Könner!), auf Yogabänkchen oder entspannt auf hellen Wollmatten. Unsere Kursleiterin Elke, eine erfahrene Yogalehrerin, führt einfühlsam durch ein anspruchsvolles Programm - auch die Yoga-Neulinge. Die Übungen (asanas) sind atem- und bewegungsintensiv und fallen mir jeden Tag etwas leichter. Sie gipfeln im täglichen „Sonnengruß“ - im Stehen oder Sitzen oder in der „rückengerechten Variante“. Entspannung kommt dazwischen nicht zu kurz, Lockerungs- und Klopfübungen (mit Musik!) muntern wieder auf.
Bei einer Tiefenspannung gelingt mir ein angenehmer „Schwebezustand“: Mein Körper fällt durch die weiche Matte, mein Gesicht zerfließt, ich fühle mich ganz weit weg und dabei hellwach. Danach erlebe ich mich gelassen und locker wie schon lange nicht mehr. Ich genieße die leichte und heitere Stimmung intensiv. Anderentags sitze ich allein auf einer einsamen Düne, sehe weit hinaus auf die Ostsee und begreife die alte Zen-Weisheit: "Still sitzend, nichts tuend, kommt der Frühling und das Gras wächst von allein." Ich bin voller Ruhe und fließe mit - wie der Atem des Meeres.
Ich merke schon – ich muss bald wieder hin! Ich muss ihn mal wieder haben, diesen „yoga-verrügten“ Zustand! Dabei wünsche ich mir von Herzen, die vielen Naturschönheiten und Sehenswürdigkeiten von Rügen wieder zu sehen: Den wilden Nordstrand, die steilen Küsten mit ihren Seeschwalben; die leuchtend-gelben Rapsfelder bis zum Horizont, die vielen schattig-grünen Alleen, kleine Häfen und Fischerdörfer mit alten Backsteinhäusern und urigen Katen.
Dann möchte ich wieder in der „Stubbenkammer“ durch licht-grüne Buchenwälder wandern, die unzähligen Stufen der steilen Holztreppe zum Rollstrand hinuntersteigen, den imposanten „Kaiserstuhl“ und die Kreidefelsen ehrfürchtig von unten bestaunen und mich nach dem atemberaubenden Wiederaufstieg mit Kaffee und Kuchen verwöhnen. Nicht vergessen will ich die Schifffahrt durch die Boddengewässer hinüber nach Hiddensee, diese ganz andersartige Insel - die kleine alte Kirche, die stimmungsvolle Atmosphäre im Gerhard-Hauptmann-Haus - dann auf den Hausberg „Dornbusch“ steigen und rundum aufs Wasser und auf das lang gestreckte Archipel zwischen ruhigen Bodden und bewegtem Meer sehen.
Auf hoffentlich bald!
Autor: Edda Muhr vom 06.06.2008
Reisetipp:
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