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Ausgabe 03/2008
 
Das Online-Journal von Studien-Kontakt-Reisen.

Die Lage in Myanmar/früheres Burma

Myanmar: hinfahren oder nicht?

Frauen vor Tempel

Myanmar, das fruehere Burma oder auch Birma, ist in letzter Zeit mehr als bisher in den Blickpunkt der Oeffentlichkeit gerueckt: gewaltsam unterdrueckte Demonstrationen im September letzten Jahres, ein verheerender Zyklon im Mai dieses Jahres, Probleme mit Hilfslieferungen - all das und mehr konnte man den Medien entnehmen. Man liest und hoert ueber das Land so viel Widerspruechliches...

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Paar in Gruppe

In den Zeitungen wird es meist als duestere Militaerdiktatur dargestellt, in dem die Menschen sich angstvoll ducken und in das man besser nicht faehrt, weil man damit die Herrschenden unterstuetzt. Aber es gibt auch wunderschoene Filme ueber das Land und wenn man mal jemanden trifft der dort war, ist die Begeisterung nicht zu ueberhoeren! Was soll man glauben?

Grundsaetzlich gilt ja das alte Motto: Seeing is believing! Nur wer selbst hinfaehrt kann sich ein Bild machen.

Im folgenden will ich kurz die Vor- und Nachteile eines Besuches im Goldenen Land darstellen. Als positiv gestimmter Mensch beginne ich mit den Vorteilen

Mönch

1. Gerade jetzt scheint mir der richtige Zeitpunkt fuer einen Besuch des Landes zu sein: die ohnehin schon geringe Zahl der Besucher hat sich nochmals verringert. In den Hotels gilt den Gaesten die ungeteilte Aufmerksamkeit des Personals und der Besucher kann sich ungestoert im Lande bewegen: zwischen den Pagoden Bagans und den Schwimmenden Gaerten am Inle-See genau so in den alten Hauptstaedten rings um Mandalay.

2. Der starke Rueckgang der Besucherzahlen hat nicht wenige in der Tourismusindustrie taetige Menschen ins Elend gestuerzt: Hotels und Reisebueros entlassen Leute, Fahrer und Reiseleiter haben keine Jobs - und in Myanmar gibt es keine staatlichen Institutionen, die in Not geratene Menschen auffangen. Das fuehrt dann im Extremfall dazu, dass lokale Reiseleiter aus Bagan im naheglegenen Yenaungyaung aus bereits aufgegebenen Oelquellen noch die letzten Eimer in Handarbeit ans Tageslicht befoerdern. Andere waschen Gold aber die meisten sitzen einfach nur herum und fragen sich, wann ihr Elend ein Ende hat. Mit Ihrem Besuch in Myanmar geben Sie diesen Menschen die Chance ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen!

3. Aber das Land ist doch durch den Zyklon zerstoert worden - gibt es denn ueberhaupt noch intakte Hotels dort und sind die Strassen ueberhaupt noch befahrbar? Solche Fragen hoere ich nicht selten. Keine Sorge! Das von dem Zyklon Nargis betroffene Gebiet liegt im Sueden des Ayeyarwady-Deltas - hierhin verirrt sich kaum ein Tourist, denn ausser Reisfeldern und viel Wasser gibt es nicht viel zu sehen. Die Hauptsehenswuerdigkeiten des Landes liegen (neben der Shwedagon-Pagode in Yangon, die den Zyklon unbeschadet ueberstand) in der Trockenzone, ca. 700 km vom Katastrophengebiet entfernt. Bagan, Mandalay und Umgebung sowie der Inle-See wurden ueberhaupt nicht betroffen. Auch weniger besuchte Regionen wie Sittwe/Mrauk U im Nordwesten des Landes, Monywa, der Shanstaat (incl. der Gegend um Lashio und Kyaingtong) waren nicht betroffen. Das Gleiche gilt fuer den Goldenen Felsen und die Gegend um Mawlamyaing, ganz zu schweigen von der Inselwelt des Suedens, deren Schoenheit bisher nur wenige Enthusiasten kennen gelernt haben.

4. Ja, es ist wahr, es gibt eine unterdrueckte Opposition! Daraus sollte man allerdings nicht schliessen, dass alle Bewohner des Landes wie ein Mann hinter der Opposition stehen. Der groesste Teil der Bevoelkerung ist politisch eher uninteressiert. Traditionell wird die Regierung als eines der drei Uebel (neben Feuersbruensten und Flutkatastrophen) betrachtet, die den Menschen bedrohen.
Unter den burmesischen Intellektuellen gibt es nicht wenige, die den Kurs der Oppositionsfuehrerin kritisch in Frage stellen: schauen Sie einmal im Internet unter dem Stichwort Ma Thanegi und Sie finden die Artikel (unter anderem: The Burmese Fairytale) einer streitbaren Dame, die ihre ganz eigenen Ansichten ueber die politische Situation im Lande hat. Das gleiche gilt fuer Thant Myint-U, den Enkel des ehemaligen UNO-Generalsekretaers U Thant. In seinem Buch River of lost foot steps analysiert er die Lage seines Heimatlandes und kommt zu dem Ergebnis, dass man es sich zu einfach macht, wenn man alle Probleme des Landes auf die Militaerdiktatur zurueckfuehrt. Und auch Tony Wheeler, Herausgeber der Lonely Planet Reisefuehrer, der das Land seit 40 Jahren kennt, schlaegt moderate Toene an. Unter den deutschen Myanmar-Experten (hier seien nur Hansbernd Zoellner und Uta Gaertner genannt) ueberwiegt ebenfalls die Skepsis gegenueber der Politik der Boykotte und Sanktionen.

Ärztin

Kommen wir zu den Nachteilen:

1. Das Land ist in der Tat politisch instabil, es gibt zahlreiche Probleme. Aber das ist nicht erst seit der Machtuebernahme durch das Militaer der Fall - die Instabiliaet besteht seit der Unabhaengigkeit und ist ein Erbe der Kolonialzeit. Selbst in der Zeit der letzten Dynastie, die 1885 mit der Absetzung des Königs Thibaw durch die Briten endete, waren die Verhaeltnisse im Lande alles andere als stabil. Einer der wichtigsten Gruende dafuer ist die ethnische Vielfalt des Landes: hier leben einhundertzwanzig ethnisch sehr unterschiedliche Voelker zusammen und es werden nicht weniger als 70 Sprachen gesprochen. Gluecklicherweise wird der Tourismus von diesen Problemen nicht betroffen: Myanmar ist eines der sichersten Laender der Welt!

Aber es gibt Schritte zur Loesung der Probleme. Im Mai 2008 wurde die neue Verfassung nach langjaehrigen Diskussionen in einem Referendum angenommen. Sicher ist das Referendum nach unseren Massstaeben nicht demokratisch gewesen - die ueberwaeltigende Zahl der Ja-Stimmen laesst einen stutzen... Und die Verfassung entspricht auch nicht dem westlichen Verstaendnis von Demokratie: so hat das Militaer sich selbst eine ganze Reihe von Sitzen im Parlament reserviert und behaelt sich ein Vetorecht in Fragen der nationalen Sicherheit vor. Wie auch immer: im Jahre 2010 sollen allgemeine Wahlen stattfinden. Wahrscheinlich wird die Oppositionspartei die Wahlen (ebenso wie das Referendum) boykottieren. Warten wir einmal ab, was sich dann tut. Das beste fuer das Lande waere es, wenn die verfeindeten Parteien einmal offen und ohne Vorbedingungen miteinander reden.

2. Viele potentielle Besucher hegen Befuerchtungen hinsichtlich der Visaerteilung, der Kontrollen und der Geldprobleme. Also, die Visaerteilung ist relativ problemlos: man bestellt sich ein Visaformular, fuellt es aus und schickt es an die Botschaft. In der Regel wird das Visum innerhalb einer Woche ausgestellt. Die Kosten liegen im normalen Rahmen. Die Kontrollen im Lande halten sich in Grenzen, die Einreise geht problemlos vonstatten. Man darf 2.000 USDollar undeklarariert einfuehren, wenn der mitgefuehrte Betrag hoeher liegt, muss man ihn deklarieren. Es trifft zu, dass Kreditkarten und Travelerschecks in Myanmar nicht akzeptiert werden. Das ist allerdings keine Willkuer von seiten der Regierung Myanmars, sondern eine Auswirkung der Wirtschaftssanktionen, denen das Land von Seiten des Westens unterworfen ist. So kommen die Besucher des Landes leider nicht darum herum, groessere Mengen an Bargeld mit sich zu fuehren.

An vielen Stellen im Lande gibt es Kontrollposten - die meisten sind einfach Mautstellen, an denen Strassengebuehren erhoben werden! Einige Gebiete des Landes (z. B. der gesamte Kayah-Staat) sind fuer Touristen gesperrt. Andere Gebiete sind nur teilweise zugaenglich, in wieder anderen ist nur Flug- und Schiffsverkehr zugelassen. Fuer den Besuch mancher Gebiete ist ein Permit vonnoeten. Wer spezielle Wuensche hat, sollte sich an die Botschaft oder ein Reisebuero wenden.

3. Viele potentielle Besucher des Landes glauben, dass es eine Reisewarnung des Auswaertigen Amtes gibt, in der vor Reisen nach Myanmar gewarnt wird. Bitte schauen Sie einmal auf die Website des Auswaertigen Amtes der Bundesrepublik: dort werden fuer neun Laender Reisewarnungen ausgesprochen - Myanmar ist nicht darunter! Es gibt allerdings Reisehinweise fuer das Land - aber das ist etwas ganz anderes: die gibt es auch fuer Grossbritannien! Myanmar ist ein sehr sicheres Land und mir sind keine Faelle bekannt, in denen Touristen dort zu Schaden kamen!

Ich hoffe, das diese Informationen Ihnen die Entscheidung, ob Sie kommen sollten oder nicht, erleichtert.

Axel Bruns


Für 2010 plant SKR, wieder eine Reise nach Myanmar aufzunehmen!

Garküche/Boot


Autor:
auf Anfrage
vom 22.09.2008