Reiseleiterinterview Namibia
Interview mit SKR-Reiseleiter Lucian
Unser Reiseleiter war Lucian Fineberg, 41 Jahre alt, der seit Anfang 2025 für SKR Reisen arbeitet und außer unserer Reise “Namibia kompakt erleben” auch die SKR-Reise “Namibia & Botswana Höhepunkte im Norden mit Victoriafällen” begleitet. Lucian stammt aus Namibia, wurde in Swakopmund geboren und war lange mit einer deutschen Frau verheiratet. Er ist unglaublich witzig und charmant und mit ihm war es keine Sekunde langweilig.
Was ist deine Lieblingsstation der „Namibia kompakt erleben“?
Till: Hallo Lucian, schön, dass du mir ein paar Fragen zu unserer Reise beantwortest. Mich würde interessieren, was deine Lieblingsstation der “Namibia kompakt erleben” ist.
Lucian: Mein Lieblingsteil dieser Reise ist ganz klar der Etosha-Nationalpark und die Etosha Village-Lodge, die nördlichste Station und eines der absoluten Highlights unserer Reise. Bisher war jeder Gast von der Natur und den Tieren des Etosha und der in unmittelbarer Nähe des Nationalparks gelegenen luxuriösen Lodge absolut begeistert.
Schon am ersten Abend in der Lodge, bevor wir überhaupt das erste Mal in den Park gefahren sind, standen wilde Kudus mit ihren wunderschönen gewundenen Hörnern friedlich grasend am Pool der Etosha Village-Lodge. Bei den Bungalows, direkt vor meinem Zimmer, sind uns dann auch noch zwei Warzenschweine begegnet. Die können bis zu 40 kg wiegen und 80 cm lang werden. Und am Himmel und in den Bäumen gibt es eine wunderbare Vielfalt an Vögeln.
Vor zwei oder drei Jahren hat sich ein Löwe auf das Gelände der Lodge verirrt. Da mussten die Gäste zur Sicherheit in den Zimmern bleiben, bis die Ranger aus dem Etosha ihn mit einem Betäubungsgewehr eingefangen und zurück in den Park gebracht haben. Um den gesamten riesigen Park gibt es einen Zaun, in dem auch Strom fließt, aber manchmal kommt es zum Beispiel vor, dass Elefanten den Zaun kaputt machen. Oder Warzenschweine buddeln ein Loch unter dem Zaun und die Löwen haben gelernt, durch so ein Loch hindurchzukriechen. Der Zaun wird zwar regelmäßig kontrolliert, aber bei einer Länge von 850 Kilometern kann so etwas immer mal passieren. Normalerweise sind die gefährlichsten Tiere, die man auf der Lodge sehen kann, Schakale oder, mit ganz viel Glück, ein Leopard. Früher war der Park noch größer, aber leider wurde im Laufe der Zeit ein Teil des Geländes an private Eigentümer verkauft.
Kannst du noch mehr zu den Tieren im Etosha Nationalpark erzählen?
Till: Die Tiere waren für mich natürlich auch eines der absoluten Highlights der Reise. Kannst du mir noch etwas mehr zu den Tieren, die wir im Etosha gesehen haben, erzählen?
Lucian: Im Etosha selbst haben wir diesmal Elefanten, Giraffen, ein Nashorn, große Gruppen von Zebras und Kudus, und zwei männliche und zwei weibliche Löwen gesehen. Weil es noch nicht viel geregnet hat, konnten wir viele Tiere an Wasserstellen sehen. Sobald es mehr regnet, haben sie keinen Grund mehr zu den Wasserstellen zu kommen und sind deutlich schwerer zu sehen.
Meine Lieblingstiere im Etosha sind Löwen und Elefanten. Giraffen sind auch schön, aber wenn man die schon so häufig gesehen hat wie ich, ist es nicht mehr so besonders. Sie laufen immer nur von einem Baum zum anderen und fressen.
[Lucian lacht]
Mit Löwen ist das anders, das sind Raubtiere, da passieren immer wieder Sachen, die sind richtig intelligent, und es ist spannend, sie beim Jagen zu beobachten. Einmal habe ich im Etosha erlebt, wie eine Löwin direkt vor unserem Jeep eine junge Rote Kuhantilope gejagt hat. Die Antilope kam zusammen mit ihrer Mutter über einen Hügel und lief auf eine Wasserstelle zu. Da der Wind in Richtung der Antilope wehte, konnte die Antilope die Löwin, die im hohen Gras lag, nicht riechen und auch nicht sehen und lief direkt auf sie zu. Die Löwin kam aus dem Gras und fing die kleine Antilope direkt vor unserem Jeep. Sowas ist hart anzuschauen, aber das ist ein Teil der Natur. Sie schleppte die Antilope ins Gras und in diesem Moment kamen drei kleine Löwenbabys aus dem Gras hervor. So eine kleine Antilope reicht für die Mutter und die Kinder vielleicht für einen Tag als Nahrung. Das ist der Circle of Life.
Ein erwachsener Löwe braucht 3,8 kg Fleisch pro Tag. Er kann auch mal eine komplette Woche ohne Fleisch bleiben, dann muss er aber 24 kg auf einmal essen. Normalerweise essen Löwen keine anderen Raubtiere, nur wenn sie Hunger haben und schwach sind, habe ich auch schon gesehen, dass sie mal eine Hyäne oder einen Schakal essen. Wenn zum Beispiel fünf oder sechs Löwen im Rudel jagen, dann benötigen sie schon ein erwachsenes Zebra oder eine Giraffe. Und eine Giraffe reicht dann zwei bis drei Tage für die komplette Gruppe. Bevorzugt jagen Löwen schwache oder kranke Tiere, die einfacher zu jagen sind. Darum suchen sie sich auch immer eine gute Beobachtungsposition mit 360 Grad-Blick, um solche Tiere zu finden.
Was für besondere Aktivitäten gibt es noch bei dieser Reise?
Till: Neben dem Etosha haben wir ja auch noch viele andere spannende Sachen gemacht und gesehen. Was für besondere Aktivitäten gibt es noch bei dieser Reise?
Lucian: Wer möchte, kann auf der Namibia Rundreise von Swakopmund aus einen Rundflug über die Wüste und das Meer buchen. Dabei fliegt man unter anderem über Deadvlei, einen Baumfriedhof mitten in der Wüste, Sossusvlei, eine wunderschöne Salz- und Ton-Pfanne, ein altes Schiffswrack an der Küste und eine Diamantenmine. Soweit ich weiß, ist das einer der einzigen Orte auf der Welt, wo man die Wüste und das Meer gleichzeitig sehen kann, weil die Wüste hier direkt bis ans Meer reicht. Morgens früh gibt es in Swakopmund häufig Nebel, der sich meist mittags auflöst. Darum wird immer erst kurzfristig entschieden, ob die Nebel- und Windverhältnisse passen. Manchmal reicht der Nebel sogar bis zu 120 km weit in die Wüste hinein.
Eine weitere besondere Aktivität, die allerdings viel Fitness und Ausdauer erfordert, ist die Besteigung der höchsten Düne der Welt, Big Daddy, die sich im Namib-Naukluft-Nationalpark in der Namib-Wüste befindet. Der Aufstieg dauert zwei bis drei Stunden und geht am besten in der Winterzeit, April bis September, dann ist es angenehm kühl und man braucht nicht so viel Wasser mitzunehmen. Die Düne ist 346 Meter hoch und wenn man dann ganz oben ist, kann man sogar das Meer sehen. Morgens kann man barfuß gehen, ab 10 oder 11 Uhr wird der Sand zu heiß und man benötigt Schuhe. Ich habe Big Daddy bisher zweimal komplett bestiegen, man kann aber natürlich auch nur einen Teil der Strecke gehen. Diesmal sind wir nicht auf Big Daddy, sondern auf die etwas kleinere, aber dennoch beeindruckende und landschaftlich spektakuläre Düne 45 gestiegen. Der Aufstieg wird mit einem einzigartigen Panoramablick über die rot leuchtenden Sanddünen der Namib-Wüste belohnt und zählt für viele Gäste zu den schönsten Erlebnissen der Reise.
Welche Geschichte steckt hinter Namibia und hinter deinem Leben hier?
Till: Jetzt fände ich es schön, noch etwas über die Geschichte Namibias und deine eigene Geschichte hier zu hören.
Lucian: Überall in Namibia kann man Geschichte sehen, unter anderem natürlich zu der deutschen Geschichte in Namibia und zum Beispiel dem Krieg zwischen Deutschen und den Herero. Am ersten Tag der Reise haben wir das Unabhängigkeits-Museum in Windhoek angeschaut. Es enthält neben der Geschichte von Namibia auch viele Informationen zu den Unabhängigkeitskämpfen von Südafrika und Simbabwe.
Swakopmund ist geprägt von zahlreichen historischen Gebäuden aus der Kolonialzeit. Zum Beispiel das alte Militär-Krankenhaus Prinzessin-Rupprecht-Heim, dort wurde ich geboren und es ist heute eine Pension und ein Altersheim. Das Geld, das in der Pension eingenommen wird, wird für die alten Menschen verwendet.
Meine Mutter ist in Swakopmund geboren, aber mein Opa kam aus Südafrika, einem sehr kleinen Ort in der Nähe von Kapstadt. Er hat meine Oma dort kennengelernt, die als Lehrerin in einer afrikanischen Schule gearbeitet hat. Mein Opa war Friseur. Meine Großeltern sind nach Swakopmund gezogen, als die Stadt noch richtig klein war und mein Opa war der erste Friseur für Männer in Swakopmund. Sein alter Haarschneidestuhl steht heute noch in dem Geschäft. Nachdem mein Vater meine Mutter kennengelernt hat, haben sie die ersten Jahre vom Fischfang gelebt, er hat Langusten und Muscheln geangelt. Später hat er ein eigenes Schiff gekauft und ist nach Ludwitz gegangen. Leider ist das Schiff nach nur drei Monaten untergegangen und er hat alles verloren und meine Eltern mussten ihr Haus verkaufen. Dann ist die Familie nach Windhoek gegangen und mein Vater und mein Opa haben in der dortigen Otjihase-Kupfermine gearbeitet.
Autorenangaben
Mein Name ist Till Hering, ich bin 41 Jahre alt und arbeite seit 2020 für SKR Reisen als Software-Ingenieur und kümmere mich um den reibungslosen Ablauf der internen technischen Prozesse. Ich reise gerne, weil ich es mag, mich selbst in neuen Kontexten zu erleben und neuen Menschen zu begegnen.
Hat Sie die Reiselust gepackt? Dann entdecken Sie auf unserer Website unsere Namibia Reisen. Einige davon werden auch von Lucian als Reiseleiter begleitet.