Braunschweiger Hütte

SKR Reisemagazin: Süddeutschland

Interview mit unserer Kursleiterin Marlies Sonnentag


Kursleiterin Marlies Sonnentag
Marlies Sonnentag ist Kursleiterin für das Trainingsprogramm „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ (MBSR) im Bayerischen Wald. Seit 2003 ist sie erfahrene Ansprechpartnerin für diese von Jon Kabat-Zin entwickelte Achtsamkeitslehre. Im Interview spricht sie mit uns über Lernziele ihres Kurses und die konkrete Gestaltung eines Urlaubs im schönen Donautal.

SKR: Was lerne ich bei dem Kurs „Stressbewältigung durch Achtsamkeit (MBSR)“ und was ist das Ziel?
Marlies Sonnentag: Sie lernen achtsam und freundlich zu sich selbst zu spüren, zum Körper, zum Atem, zu dem, was alles im Bewusstsein auftaucht. Oft produziert unser Gehirn einfach Filme, die uns Stress bescheren, ohne dass wir uns dafür entschieden haben. So entsteht bei uns z.B. schon morgens, wenn wir unter der Dusche stehen, und schon automatisch an kommende Aufgaben denken, in Körper und Psyche Anspannung. Statt uns zu entspannen, schütten wir Stresshormone aus. Unser Körper kann nicht unterscheiden zwischen realem und nur ausgedachtem Stress. Das geschieht alles unbewusst und quasi automatisch, aber mit Bewusstheit können wir es besser steuern.

Zum Programm gehört ein Puzzle von Methoden und Übungen für den Alltag und für das Training in Ruhe quasi unter „Laborbedingungen“.
Zu den längeren gehören der „Bodyscan“ – eine Spürübung im Liegen, die das Körperbewusstsein verbessert, eine Reihe von sanften Yoga-Dehnübungen und verschiedene Meditationsvarianten im Sitzen, Liegen oder Gehen, die auch hier die Eigenwahrnehmung, die Steuerungsfähigkeit des Gehirns und die Selbstakzeptanz einüben. Mittlerweile gibt es viele wissenschaftliche Nachweise zur Wirksamkeit des Programms bei Erkrankungen und zur Prävention. Man findet positive funktionelle und anatomische Veränderungen im Gehirn bis zum besseren Schutz der Chromosomen in den Körperzellen durch MBSR. Die Methoden der Achtsamkeit sind meiner Ansicht nach eine Grundfertigkeit für das Leben wie z.B. Schwimmen. Ein Urlaubskurs gibt die Möglichkeit, sehr intensiv die Bausteine zu üben und zu erfahren, also entsprechend vorigem Vergleich: „Schwimmen lernen im Urlaub“.

Oft produziert unser Gehirn einfach Filme, die uns Stress bescheren, ohne dass wir uns dafür entschieden haben.

 

SKR: Kann ich das Erlernte mit in den Alltag nehmen?
Marlies Sonnentag: Der ganz normale Alltag ist das Ziel des Kurses. Das „Werkzeug“ funktioniert und dies wird mir von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der SKR-Reisen immer wieder bestätigt. So haben in den letzten 10 Jahren ca. 1.000 Teilnehmer in von mir geleiteten Kursen bei SKR diese Methode gelernt, mit sich achtsamer umzugehen.

SKR: In Niederaltaich bieten Sie einen Vertiefungskurs an. Für wen ist dieser Kurs interessant und wie hebt sich dieser von dem anderen Kurs ab?
Marlies Sonnentag: Hier geht es darum, wieder intensiv zu üben, Bekanntes aufzufrischen, Fragen zu klären, neue Aspekte zu entdecken. Voraussetzung ist die eigene Erfahrung mit MBSR, MBCT oder anderen achtsamkeitsorientierten Verfahren. Das Üben mit anderen gibt wieder einen frischen Kick, im Alltag dran zu denken. Obwohl MBSR als Methode ja ganz bewusst religions- und ideologiefrei ist, gibt das Kloster einen unterstützenden Rahmen von Konzentration und Achtsamkeit, die hier seit über 1.000 Jahren praktiziert werden und uns als Übende in unserer Methode unterstützen.

 

Der ganz normale Alltag ist das Ziel des Kurses.

 

SKR: Wie kann man sich die Reisen außerhalb des Kurses vorstellen?
Marlies Sonnentag: Die Kurszeiten sind in der Regel vormittags und nach dem Abendessen. Es bleibt viel Zeit, um zu wandern, an der Donau, im bayerischen Wald, zu Museen zu pilgern, in Bayern in die Stadt nach Regensburg, Passau, Deggendorf zu fahren. Oder einfach zu lesen oder mal gar nichts zu tun und nur zu genießen. Und wenn abends nach getaner „Kursarbeit“ mal mehr mal weniger Teilnehmer noch in gemütlicher Runde bei Bier, Wein oder Apfelschorle zusammensitzen, ist auch dieses Miteinander authentisch und fröhlich.

SKR: Welchen Einfluss hat MBSR auf Ihr Leben und vor allem den Alltag?
Marlies Sonnentag: In den letzten gut zwei Jahrzehnten, in denen ich mich in meinem Leben mehr mit Achtsamkeit befasse, hat das Schicksal natürlich auch für mich die kleinen oder großen Katastrophen und Schwierigkeiten bereitgehalten. In diesen Schwierigkeiten habe ich den Wert einer achtsamen Haltung immer wieder neu kennengelernt. Dazu gehört der freundliche Umgang mit meinen eigenen Möglichkeiten und Grenzen, die Fähigkeit aus Grübelschleifen schnell wieder herauszukommen und immer wieder eine offene Perspektive für größere Zusammenhänge und Möglichkeiten entwickeln zu können. Ich bin, so glaube ich, offener geworden. Und mein Blick auch für die vielen schönen Augenblicke im Alltag ist heute intensiver.

SKR: Herzlichen Dank, Frau Sonnentag. 


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