Qaboos Moschee

SKR Reisemagazin: Oman

Ein Reisebericht von Wolfgang Hachtel


Die Fatah al Khair eine Dhau in Sur, Oman
Hajar Gebirge, Oman

Wolfgang Hachtel war jahrelang Professor für Botanik an der Universität Bonn. Er verfasste zahlreiche Buch- und Zeitschriftenartikel im Bereich der Fach- und Populärwissenschaft. Heute ist Wolfgang Hachtel erfolgreicher Autor von Reiseschriften und belletristischer Literatur. Dieses Jahr schrieb er einen weiteren Reisebericht - zu seiner Reise in den Oman. Das Buch erzählt von den Anfängen seiner Reise am Flughafen, über die Hauptstadt Muscat und Sur, bis hin zu dem Ende der Omanreise. Wolfgang Hachtel gibt seinen Lesern nicht nur einen ausführlichen Einblick in seine Reiseerlebnisse, er spricht auch landesrelevante Themen an. Dabei werden dem Leser beispielsweise die Geschichte Omans, der traditionelle Weihrauch und interkulturelle Fettnäpfchen näher gebracht. Im Folgenden finden Sie eine Leseprobe des Buches "Oman" von Wolfgang Hachtel:

Samstag. 24. Januar

Sur Festung Al Ajah, Oman

Die Hafenstadt Sur und ihre Dhauwerften

Sur hatte bereits im 6. Jh. große Bedeutung für den Handel mit Ostafrika. Nachdem die Stadt im 16. Jh. unter die Herrschaft der Portugiesen geraten war, erlebte es nach der Befreiung durch Nasir ibn Murschid (1624–1649) einen neuen Aufschwung als Zentrum für den Indien- und Ostafrika-Handel. Bis zu 150 große Dhaus sollen damals im Hafen gelegen habe, jede mit 30 Mann Besatzung.

Ein britischer Handelsagent notierte im Jahr 1890: „Während der Segelsaison blieben nur Frauen und Kinder in Sur zurück. Nahezu die gesamte männliche Bevölkerung fuhr zur See.“

Zu Beginn der 1970er Jahre waren noch 86 Dhaus registriert, aber nur mehr drei als Handelsschiffe, jetzt selbstverständlich mit PS-starken Motoren aus-gerüstet. Früher wurden auch viele Dhaus in den Werften von Sur gebaut, auch große, ozeantaugliche Dhaus.

Von dieser glorreichen Vergangenheit ist nicht viel übrig. Der Niedergang setzte ein, als Großbritannien Mitte des 19. Jh.s das Verbot des Sklavenhandels durchsetzte; dieser war eine bedeutende Einkommensquelle für das gesamte Sultanat gewesen. Als nach der Zerstörung der Stadt durch die Wahabiten (1865) auch noch der Sueskanal eröffnet wurde (1869), verlor Sur endgültig seine Bedeutung für den Indienhandel und den Schiffsbau.

Unter dem Sultan Qaboos wird versucht, die Dhau-Tradition wieder aufleben zu lassen. Die Sohar, die wir im Verkehrskreisel von Al Bustan gesehen haben, wurde hier 1979 und 1980 gebaut.

Sur dehnt sich am Rande einer großen Bucht bzw. Lagune, Khor Al Batah, aus, eine weiße Stadt, denn fast alle Häuser sind weiß getüncht. Vom Sur Plaza Hotel fahren wir am Morgen durch das neue Zentrum. Es ist viel los auf den Straßen, denn heute ist ausnahmsweise arbeitsfrei, weil aus Anlass des Ablebens des saudischen Königs Abdullah Staatstrauer angeordnet ist. Omanis, Pakistanis, Inder laufen durcheinander, sitzen in Straßencafés, beäugen uns Europäer interessiert, winken uns zu. Nur wenige Frauen huschen über die Gehsteige: Inderinnen in ihrer traditionellen Kleidung, die arabische Frauen zumeist verschleiert.

Das alte Sur, Sur As Sahil, liegt auf einer Halbinsel, die von Westen in die große Bucht Khor Al Batah reicht bis zu der schmalen Einfahrt vom offenen Meer her.

Wir besuchen zuerst ein neues Museum, dessen Inneres jedoch noch nicht zu besichtigen ist. Die größte Sehenswürdigkeit indes steht auf dem Hof nahe am Wasser: es ist die Fatah Al Khair (Fatah bedeutet Eroberung, Sieg). Sie ist eine Ghanjah, eine der letzten großen in Sur gebauten Dhaus, mehr als 100 Jahre alt, über 20 Meter lang und mit einer Verdrängung von 300 Tonnen. Sie befuhr als Passagier- und Frachtschiff jahrzehntelang den indischen Ozean. Generalüberholt steht sie seit 1993 hier.

Werkstatt in der Dhauwerft in Sur, Oman

Die einzige Dhauwerft, die hier noch in Betrieb ist, liegt am östlichen Rand von Sur As Sahil am Ufer der Lagune vor der im Jahr 2009 neu gebauten Brücke hinüber zum Stadtteil Al Ajah. Das ist keine Werft mit Hallen und Kränen, das ist ein kleiner Betrieb mit nur wenigen Mitarbeitern. Gearbeitet wird auf dem breiten Sandstrand.

Wir können über das Gelände laufen und beim Bau einer neuen Dhau zusehen. Große Berge von importiertem Teakholz für Kiel und Rumpf und alte und neue Latten und Bretter von heimischen Akazien für die Spanten liegen auf dem Gelände. Ein Mitreisender war der Meinung, hier müsste mal aufgeräumt werden, das Ganze gliche einem Mikadospiel am Anfang.

Planke für Planke werden die hölzernen Schiffe, von Holzgerüsten gestützt, mit einfachen Werkzeugen von Hand gebaut. Auch die Schmuckelemente werden an Ort und Stelle gefertigt. Das neue Schiff hat eine Länge von circa 12 m und wird, wenn es fertig ist, nur im Küstenverkehr eingesetzt.

Die Handwerker sind Männer vom indischen Subkontinent oder aus Pakistan, sie leben auch hier auf dem Werftgelände. Die Arbeits- und Wohnbedingungen sind sehr einfach. Omanis sind hier nicht beschäftigt. Originalton Frau Overkamp: „Ein Omani würde hier nie arbeiten“.

Wir spazieren noch über den Strand des Alten Hafens, Fischerboote liegen dort auf dem Trockenen. Wir sehen einigen älteren Männern beim Spiel im Schatten zu und schauen hinüber zum Stadtteil Al Ajah mit der gleichnamigen Festung und dem Leuchtturm am Ende der Landzunge, dort, wo die Einfahrt in die Lagune ist.

- Ein Auszug aus dem Buch "Oman" von Wolfgang Hachtel (2015)

 

Einen beeindrucken Oman Reisebericht finden Sie außerdem hier.


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