Euphrosyne-Erlöser-Kloster

Die älteste Stadt in Weißrussland ist Polazk (zu Deutsch: Polack). Der Name der Stadt leitet sich von dem Fluss ab, an dessen Ufern sie liegt: Polota. Polazk wurde bereits im Jahr 862 urkundlich erwähnt. Im frühen Mittelalter war die Stadt der politische und religiöse Mittelpunkt der Region. So gab es neben der Sophienkathedrale und dem Euphrosyne-Erlöser-Kloster auch eine Jesuitenkirche sowie eine römisch-katholische Kathedrale, die dem Heiligen Nikolaus geweiht war. Bis heute ist das Euphrosyne-Erlöser-Kloster ein Zentrum des orthodoxen Glaubens der weißrussischen Bevölkerung.

Euphrosyne von Polazk - die Gründerin vom Euphrosyne-Erlöser-Kloster

Ins Leben gerufen wurde das Euphrosyne-Erlöser-Kloster von Euphrosyne von Polazk, die heute als Schutzheilige der Weißrussen verehrt wird. Sie wurde vermutlich in der Zeit um 1101 bis 1108 als Tochter eines Fürsten geboren. Gegen den Willen ihrer Eltern wurde Euphrosyne Nonne. Die junge Frau hatte große Ideale. Sie maß dem Wissen, der Liebe zu Büchern, der geistig-religiösen Vervollkommnung der Menschen sowie dem uneigennützigen Dienst an der Gesellschaft einen hohen Stellenwert bei. So war sie vor allem als Übersetzerin tätig, indem sie religiöse Texte und Werke kopierte und aus dem Griechischen ins Weißrussische übertrug. Zudem gründete sie Klöster für Nonnen und Mönche. Vermutlich im Jahr 1155 veranlasste sie die Errichtung einer Kirche auf den Ruinen eines alten Tempels, in der sie selbst eine Zelle hatte und welche dem Heiligen Erlöser gewidmet war. Der gesamte Komplex wurde später nach ihr benannt: das Euphrosyne-Erlöser-Kloster. Im Jahre 1173 begab sich Euphrosyne von Polazk auf eine Pilgerreise nach Jerusalem, auf welcher sie am 23. Mai 1173 starb. Ursprünglich war sie in dem berühmten Kiewer Höhlenkloster bestattet worden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch wurden ihre Gebeine umgebettet. Seither sind sie im Euphrosyne-Erlöser-Kloster, wo sie unter einem Baldachin in der Heilig-Kreuz-Kathedrale aufbewahrt und als Reliquien angebetet werden. Die ursprünglich unter dem Namen Pradslawa geborene Äbtissin war die erste Frau, die in Weißrussland als Heilige verehrt wurde.

  • Euphrosyne-Erlöser-Kloster
    Euphrosyne-Erlöser-Kloster
  • Klosteranlage in Polotsk
    Klosteranlage in Polotsk

Das Euphrosyne-Erlöser-Kloster und seine Geschichte

Die Klosteranlage befindet sich etwa 2 Kilometer entfernt vom Stadtzentrum im Norden Polacks. Im 12. Jahrhundert diente das Euphrosyne-Erlöser-Kloster mit der noch hölzernen Kirche zunächst auch als Verteidigungsposten der Stadt. Bis etwa zur Mitte des 16. Jahrhunderts war es ein Nonnenkloster. Im Jahr 1579 wurde es jedoch vom polnischen König Stephan Báthory Polack eingenommen. Dieser übergab es schließlich den Jesuiten, welche sich bis ungefähr 1820 hier niederließen. In den 1830er Jahren wurde das Euphrosyne-Erlöser-Kloster den gläubigen Orthodoxen zurückgegeben, die es im Jahre 1841 wieder zu einem Frauenkloster machten. Durch das Kriegsgeschehen in den 1940er Jahren wurde das Euphrosyne-Erlöser-Kloster sehr stark zerstört. So hatten die deutschen Besatzer auf dem Gelände eine Kommandantur eingerichtet. Diese war von Stacheldraht umgeben, weil russische Kriegsgefangene hier festgehalten wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Euphrosyne-Erlöser-Kloster vernachlässigt. So wurde die Heilig-Kreuz-Kathedrale durch das fehlende Dach stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Jahr 1960 wurde das Kloster schließlich geschlossen und unter der Führung der Kommunisten verstaatlicht. Das hatte unter anderem zur Folge, dass der Kirchenbau in den 1980er Jahren in ein Planetarium umgewandelt wurde. Allerdings wurde der Bau auch nach wie vor als Gotteshaus genutzt. Insbesondere zu den Hohen Feiertagen - also an Ostern und Weihnachten - sowie zu Taufen war die Kathedrale Anziehungsmagnet. Im Jahre 1988 erhielt die orthodoxe Gemeinde das Euphrosyne-Erlöser-Kloster zurück, sodass mit den ersten Restaurierungsarbeiten begonnen werden konnte. Zu Beginn der 1990er Jahre wurde das Euphrosyne-Erlöser-Kloster durch Äbtissin Euphrosyne und ihre Schwestern wieder belebt.

  • Klosterkomplex
    Klosterkomplex
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    Euphrosyne-Erlöser-Kloster

Die Anlage vom Euphrosyne-Erlöser-Kloster

Heute besteht das Euphrosyne-Erlöser-Kloster aus mehreren Gebäudekomplexen. Neben den zwei Hauptkirchen gibt es einen Kirchenbau, welcher der Heiligen Euphrosyne gewidmet ist, einen Glockenturm sowie ein Wohnhaus, in welchem heute wieder mehr als 70 Nonnen leben.

Das älteste Gebäude vom Euphrosyne-Erlöser-Kloster, das bis heute vollständig erhalten ist, ist die Verklärungskirche, die dem Heiligen Erlöser gewidmet wurde. Sie wurde auf Veranlassung der Gründerin vom Euphrosyne-Erlöser-Kloster, Äbtissin Euphrosyne von Polazk, im 12. Jahrhundert erbaut, wobei das genaue Jahr des Baubeginns strittig ist. Jedoch deutet vieles darauf hin, dass das Gotteshaus im Jahre 1161 geweiht wurde. Der dreischiffige Tempel ist - gemessen an der Kuppelhöhe von 22 Metern - mit einer Länge von knapp 15 Metern und einer Breite von etwa 10 Metern recht klein. Während die goldstrahlende helmförmige Kuppel das Äußere des Gotteshauses prägt, wird das Innere von den Gewölben bestimmt. Besonders die überall an den Wänden befindlichen Fresken sind sehenswert. Sie sind die einzigen ihrer Art in Weißrussland, die original erhalten geblieben sind und nach und nach freigelegt wurden. Sie stammen aus dem 12. Jahrhundert und stellen biblische Szenen im byzantinischen Stil dar. Die Wandmalereien sind in den Farben der damaligen Zeit gehalten: rot, braun, blau und gelb. Diese Naturfarben wurden einst von den Handwerkern auf den nassen Putz aufgebracht - eine Technik, die viele Jahrhunderte überdauerte.

Auf dem Gelände vom Euphrosyne-Erlöser-Kloster befindet sich zudem die majestätische Heilig-Kreuz-Kathedrale mit ihren 5 Kuppeln, die einst vergoldet waren. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Die damalige Leiterin des Klosters, Äbtissin Eugenia, sammelte für die Errichtung der Kathedrale Spenden. Der Bau dieses größeren Gotteshauses, der allein durch diese Spenden finanziert wurde, war erforderlich geworden, weil das Euphrosyne-Erlöser-Kloster seit langem kaum mehr Platz hatte für die Tausenden von Pilgern, die zu den Feiertagen und insbesondere zum Festtag der Heiligen Euphrosyne aus den entlegensten Gegenden Russlands anreisten. Die Heilig-Kreuz-Kathedrale ist ein Denkmal für die monumentale Architektur im russisch-byzantinischen Stil und hat eine bewegte Geschichte. Einige Jahre nach ihrer Weihung (1897) wurden im Jahr 1910 die Reliquien der Heiligen Euphrosyne aus dem Höhlenkloster in Kiew in das Euphrosyne-Erlöser-Kloster verbracht. Insbesondere die Zerstörungen der deutschen Besatzer, die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg, aber auch die Vernachlässigungen der Nachkriegsjahre hinterließen ihre Spuren in der Kathedrale, die seit 1988 mit Hilfe von Restauratoren beseitigt wurden. Die reiche Innenausstattung mit Böden aus weißem Marmor, gold-verzierten Schreinen und Ikonen, mit Fresken und dem Baldachin, die die Reliquien von St. Euphrosyne beherbergen, lässt die Kathedrale heute wieder in ihrem vollen Glanz erstrahlen.

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