Tikal - Zentrum frühamerikanischer Geschichte und Kultur in Guatemala

Mit dem Begriff "Entdeckung Amerikas" wird häufig die Vorstellung verbunden, dass Amerikas Geschichte im Sinne einer komplexen politischen, kulturellen und sozialen Entwicklung erst 1492 mit der Zufallsankunft von Cristoforo Colombo in der Karibik begonnen habe. Die glücklicherweise immer mehr abnehmende Ansicht, dass der Historie des präkolumbischen Amerikas bestenfalls die in diesem Zusammenhang abwertende Bezeichnung "Vorgeschichte" zustehe, ist grundfalsch. Neben den hochentwickelten Inka- und Azteken-Kulturen haben insbesondere Maya-Völker die frühe Geschichte des späteren Lateinamerikas geprägt. Zu einer Zeit als Iberien und Germanien noch im kulturellen Halbdunkel lagen, gab es in Mittelamerika bereits Maya-Städte von 10.000 Einwohnern und mehr. Eines dieser Zentren der bei Ankunft der Europäer im Niedergang begriffenen Maya-Kulturen war die Stadt Tikal im Norden der heutigen Republik Guatemala. 

Geschichte der Maya-Metropole Tikal

Der Name Tikal steht für wichtige Abschnitte der sich über mehrere Jahrtausende erstreckenden, faszinierenden Geschichte der Maya-Völker. Zu ihrer Blütezeit in der zeitlich etwa dem europäischen Frühmittelalter entsprechenden klassischen Maya-Periode lebten in Tikal in seinem mit Sakral- und Profangebäuden dicht bebauten Zentrum von ungefähr 15 Quadratkilometern Fläche etwa 50.000 Einwohner. Die Gesamteinwohnerzahl von Tikal und Umgebung hat möglicherweise sogar zeitweise die 100.000-Einwohner-Marke übertroffen. Die ältesten Nachweise für eine Besiedlung stammen aus der Zeit um 900 v. Chr. Während der späten Maya-Präklassik (etwa 400 v. Chr. bis 250 n. Chr.) bekam Tikal Stadtcharakter. Tikals Priesterherrscher machten ihren Staat zur Hegemonialmacht der Region. Diese Position konnte Tikal, wenn auch nicht unumstritten und nicht durchgängig, auch in den der Präklassik folgenden Jahrhunderten sichern. Von erheblicher Bedeutung für Tikals Geschichte dieser Zeit waren Konflikte mit dem etwa 150 km nördlich liegenden Maya-Stadtstaat Calakmul (heute zum mexikanischen Bundesstaat Campeche gehörend). Nach einer letzten, von der Errichtung beeindruckender Bauten begleiteten Blütezeit im 8. Jahrhundert versank Tikal aus ungeklärten Gründen in Bedeutungslosigkeit. Um die Zeitenwende 1000 war Tikal eine verlassene Stadt und wurde von der umgebenden Natur, der Waldlandschaft El Petén, überwuchert. 

Jaguar Temple
Jaguar Temple

El Petén - die grandiose Naturkulisse von Tikal

Die einzelnen Bauten der antiken Stadt Tikal sind nicht wie zum Beispiel die ähnlich berühmten Maya-Stätten in Yucatan Chichen Itza oder Tulum weitläufig von der Vegetation befreit, sondern erheben sich inmitten der tropischen Flora des El Petén. In diesem dem nördlichen Guatemala ("Departamento El Petén") seinen Namen gebenden Regenwald finden sich neben Tikal noch viele andere sehenswerte Maya-Stätten wie Aguateca, Cival oder Altar de Sacrificios. Hauptstadt der dünnbesiedelten Region ist das durchaus besuchenswerte Seeinsel-Städtchen Flores (12.000 Einwohner), 60 km von Tikal entfernt. El Petén gilt als Quasi-Regenwald, weil davon ausgegangen wird, dass an seinem Standort der originäre Regenwald der einst intensiven Agrarwirtschaft der Maya hatte weichen müssen. Der heutige Wald hat nach dem Niedergang der Maya-Kultur im 10. Jahrhundert Felder und Ortsflächen zurückerobert. Tikal liegt in einem knapp 600 qkm großen, als Nationalpark geschützten Teilgebiet dieses Waldes. Seit 1979 ist der artenreiche Nationalpark Tikal UNESCO-Weltnaturerbe.

Forschungsprojekt Tikal

Mitte des 19. Jahrhunderts, Guatemala hatte sich kurz vorher von der spanischen Kolonialherrschaft befreit, begannen Forscher das mitten im Dschungel versteckte Tikal wieder zu entdecken und zu erforschen. Die Erinnerung an Tikals Blütezeit war nie ganz erloschen und hatte sich in zahlreichen Erzählungen der bis heute einen Großteil der einheimischen Landbevölkerung Guatemalas stellenden Maya niedergeschlagen. Nach einigen vereinzelten Forschungsprojekten ab 1848 wurden aber erst in den 1950er und 1960er Jahren Tikals architektonische Schätze im großen Maßstab systematisch freigelegt und wissenschaftlich erfasst. Damals waren oft US-Archäologen federführend. Seit Ende der 1970er Jahre befindet sich die Forschungsarbeit in Tikal vor allem in guatemaltekischer Regie. Das Ende der Ausgrabungsarbeiten dürfte in ferner Zukunft liegen: Bis jetzt sind von den etwa zehntausend erfassten Bauten bei weitem noch nicht alle freigelegt worden. 

Tukan in einer Palme
Tukan in einer Palme

UNESCO-Weltkulturerbe Tikal

1979 wurde Tikals Bedeutung durch die Aufnahme in das UNESCO-Weltkulturerbe unterstrichen Die zahlreichen bereits freigelegten Ruinen von Tempeln, Palästen, Wohnhäusern und Grabmälern, von Stelen und Plätzen bewirken in Verbindung mit der besonderen Atmosphäre, den Gerüchen und Lauten der unmittelbaren Dschungel-Umgebung bei vielen Besuchern die eigenartige Stimmung von Gegenwart einer mysteriösen, versunkenen Welt. Im Zentrum Tikals erstreckt sich der Große (Ballspiel-)Platz mit als Stufenpyramiden errichteten Tempeln. Einige der bis zu 65 Meter hoch aufragenden Gebäude in Tikal sind als Zwillingspyramiden erbaut. Forscher gehen von engen Beziehungen zwischen der Anlage der weitläufigen Gebäudekomplexe und der Sakrales und Profanes als Einheit verstehenden Maya-Kultur aus. Noch lange sind nicht alle Geheimnisse der hier in Stein und Architekturprinzipien verewigten Hinweise, zum Beispiel auf den Maya-Kalender, gelüftet. Zu den bekanntesten, durch schmale Dschungelwege miteinander verbundenen Gebäuden in Tikal zählen der Tempel "Großer Jaguar" und der "Tempel der Masken" sowie die Nord-Akropolis. Zwei kleine Museen, das Sylvanus G. Morley Museum und das Stelae Museum, geben in Tikal zusätzliche Informationen zu besonderen Aspekten der Ruinenstadt.

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