Brester Festung

Eine der am häufigsten besuchten Sehenswürdigkeiten in Weißrussland ist die Brester Festung. Sie wurde zur Sicherung der Grenze zum westlichen Polen, direkt am Zusammenfluss von Bug und Muchawez, errichtet. Die Verteidigungsanlage gilt als größte Festung des ehemaligen Russischen Reichs und sollte es angreifenden Truppen unmöglich machen, in das Landesinnere vorzurücken.

Der Bau der Brester Festung

Die auf dem Gelände der Festungsanlage freigelegten Fundamente aus Holz bezeugen die Anfänge der Siedlungsgeschichte der Stadt Brest an dieser Stelle. Um den Bau der Brester Festung zu realisieren, wurde die Stadt jedoch kurzerhand um ungefähr 2 Kilometer gen Osten "verlegt". Hierzu wurden große Teile des ursprünglichen Stadtgebiets abgerissen oder sogar abgebrannt. Nur wenige Gebäude der Stadt blieben erhalten. Sie wurden zumeist an die militärische Nutzung angepasst.

Erbaut wurde die Brester Festung nach Plänen des deutschstämmigen Militäringenieurs Karl Iwanowitsch Oppermann in den Jahren 1836 bis 1842. Die Festungsanlage besteht aus vier Hauptteilen, welche teilweise auf künstlich erstellten Inseln gebaut wurden: Auf der Kerninsel befindet sich die Zitadelle. Sie ist umgeben von einem Ring aus Kasernen. Die meterdicken Mauern aus roten Backsteinen, die ingesamt eine Länge von ungefähr 2 Kilometern haben, hatten die Wirkung einer kolossalen Festungsmauer. So waren die Soldatenunterkünfte der Brester Festung nicht nur Teil der Festungsanlage selbst, sondern dienten gleichzeitig der Verteidigung. Das zweite Hauptwerk der Brester Festung liegt auf der Nordinsel. Sie wird auch als Kobriner Befestigung bezeichnet. Auf ihr befinden sich zwei Forts, die in Form von Hufeisen erbaut wurden: das Ost- und das Westfort. Die Westinsel der Festungsanlage wird auch Terespoler Befestigung genannt. Auf der Südinsel, der so genannten Wolhynischen Befestigung, befanden sich seinerzeit das Militärspital sowie ein Kloster. Hier wurden auch die Überreste der alten Stadt Brest entdeckt, die heute im Archäologischen Museum zu besichtigen sind.

  • Ruinen der Brester Festung
    Ruinen der Brester Festung
  • Brester Festung
    Brester Festung

Die Erweiterung der Festungsanlage

Die ursprüngliche Anlage der Brester Festung mit den Hauptwerken hatte eine Fläche von 4 km². Ihr Umfang betrug etwa 6 Kilometer. Doch bereits in der Zeit von 1864 bis 1888 wurde die Brester Festung modernisiert. Nach den Plänen des deutsch-baltischen Generals Eduard Iwanowitsch Totleben wurden somit 9 weitere Forts errichtet, die im Abstand von 3 bis 4 Kilometern zur ursprünglichen Festung ringförmig angelegt wurden. Diese bauliche Erweiterung sollte das Umgehen der Verteidigungsanlage und dessen Beschuss durch die Artillerie zumindest erschweren. Der Umfang der Brester Festung betrug nun insgesamt 32 Kilometer. Zudem wurde auf der Kerninsel, dem Areal der Zitadelle, die Kirche St. Nikolai errichtet. Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts geplanten Erweiterungen der Festungsanlage in Form eines zweiten Festungsringes wurden aufgrund des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges zunächst abgebrochen. Die Garnisionsstellungen der Festung trafen Verteidigungsvorbereitungen. Allerdings wurde die Verteidigung gar nicht erforderlich. Es erfolgte vielmehr ein allgemeiner Truppenrückzug, der nach sich zog, dass die Brester Festung geräumt und sogar teilweise gesprengt wurde. Im Frühjahr des Jahres 1918 wurde einer der Friedensverträge von Brest-Litowsk im Weißen Palast in der Zitadelle unterzeichnet.

Die Brester Festung im Zweiten Weltkrieg

Nur wenige Tage nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen, was den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges symbolisierte, wurde die Brester Festung zum Schauplatz des Kriegsgeschehens. Nach dem Polnisch-Sowjetischen Krieg von 1919 bis 1921 gehörte Brest wieder zu Polen - somit auch die Festungsanlage der Stadt, in der sich zu dieser Zeit neben einer Militäreinheit auch ein Gefängnis für politische Häftlinge befand. 1939 wurde die Festung 3 Tage lang unter Beschuss genommen. Nach den schweren Kämpfen kapitulierte die polnische Garnision. Aufgrund des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakts wurde die Brester Festung und die Stadt von den Deutschen an die Rote Armee übergeben. Nun lag der Militärkomplex an der deutsch-sowjetischen Grenze.

Nach Plänen der deutschen Truppen sollte die Festungsanlage im Juni 1941 im Sturm erorbert werden, um so den Weg gen Osten zu öffnen. Doch die besondere Architektur der Brester Festung sowie das weitläufige und mithin unübersichtliche Gelände mit seinen vielen Gebäuden sowie Kasematten und Kellern machte diese Pläne zunichte. Die Kämpfe dauerten 3 Tage an. Die Einnahme durch die Infanterie war schier unmöglich. Erst die Bombardierung durch die deutsche Luftwaffe zwang die Besatzung der Festung zur Aufgabe.

  • Brester Festung
    Brester Festung
  • Gedenkstätte
    Gedenkstätte

Die Brester Festung heute

Das Areal im Westen der Stadt zählt heute zu den meistbesuchtesten Gedenkstätten Weißrusslands, die durch monumentale Ehrendenkmäler gekennzeichnet ist. Die Brester Festung dient hauptsächlich als Museum. Es hat täglich geöffnet. Die Geschichte der Festung, die vom Aufbau im Jahre 1836 bis zu der modernen Nutzung als Museum berichtet, wird in 10 Sälen dargestellt. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Kriegsgeschehen aus den Jahren des Zweiten Weltkrieges. Auf dem Gelände der Brester Festung befindet sich außerdem das Archäologische Museum der Stadt Brest. Neben den Ausgrabungsstätten sind in 14 Räumen weitere Exponate zu bestaunen, die während der Ausgrabungen geborgen wurden: Werkzeuge, Waffen, Halsketten, Armbänder, Holzgeschirr, Töpferwaren sowie Knöpfe, Kämme und weitere Alltagsgegenstände aus dem 13. Jahrhundert. Auch religiöse Utensilien wie Kreuze aus Bronze oder Ikonen wurden bei den Ausgrabungen gefunden. Das dritte Museum auf dem Gelände widmet sich den Künstlern der Region und ihren Werken. Im Kunstmuseum werden Gemälde und Skulpturen sowie regionale Handwerkskunst ausgestellt. Wechselnde Sonderausstellungen runden das Angebot des 2002 eröffneten Kunstmuseums ab. Auch ein Besuch der Kirche St. Nikolai, die sich auf dem Areal befindet, ist lohnenswert.

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